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Chroniken

Chroniken 2018-01-19T17:45:10+00:00

Chroniken von Mittelneufnach und des Pfarrdorfes Reichertshofen

Den Grundstein für das Projekt, die Geschichte unseres Dorfes in einer Ortschronik zusammenzufassen, legte Franziska Wenger mit ihren Erkundungen zur Kirchengeschichte und der Herausgabe eines kleinen Kirchenführers.

Am 11. April 2005 kamen im Sitzungszimmer des Gemeindezentrums in Mittelneufnach 14 Bürgerinnen und Bürger mit dem Bürgermeister Franz Meitinger zusammen und vereinbarten eine Ortschronik zu erstellen. Im Dezember 2011 konnte das Werk als gebundenes Buch mit über 500 Seiten und noch mehr Fotos vorgestellt werden. Die Dorfgeschichte gemeinsam aufzuarbeiten und aufzuzeichnen war für alle Beteiligten ein ganz besonderes Erlebnis. Alois Ott übernahm den wesentlichen Teil der Recherchearbeiten in den Archiven zu Augsburg.

Auszug aus dem Vorwort von Bürgermeister Meitinger:

Mit der Erstellung und Herausgabe dieser Chronik ist es Alois Ott, Gottfried Wenger und dem gesamten Team in höchstem Maße gelungen, unser dörfliches Leben vergangener Jahrhunderte der Nachwelt zu bewahren. Besonders zu erwähnen ist, dass die gesamte Materialsammlung in einem Agenda 21 Prozess von vielen Mitbürgerinnen und Mitbürgern in verschiedenen Arbeitskreisen erfolgte.

Sich auf eine Zeitreise durch die Geschichte zu begeben, vermittelt Respekt vor den Leistungen unserer Vorfahren und schenktuns Erkenntnisse für das Heute und Morgen. Sich auf die Vergangenheit einzulassen, ist erhellend und spannend zugleich. Von daher wünsche ich dieser Dorfchronik viele Leserinnen und Leser. Möge sie allen Lesern viel Freude bereiten!

Franz Xaver Meitinger
Erster Bürgermeister

  • Die Ortschronik kann über die Gemeindeverwaltung Mittelneufnach, die Verwaltungs-
    gemeinschaft Stauden, bei der Tankstelle Rainer Vogg oder dem Elektrogeschäft Knöpfle für 28,00 EURO erworben werden.

Nachfolgend ein paar Auszüge aus der Dorfchronik

Mittelneufnach verdankt seine Entstehung einer Rodetätigkeit im 8. Jahrhundert. Ein Ministerialgeschlecht, das sich nach dem Ort benannte, ist quellenmässig nicht bekannt. Möglicherweise ist die Familie im 11. oder frühen 12. Jahrhundert ausgestorben. Die ursprünglich in Mittelneufnach sitzenden „Ritter von Mittelneufnach“ dürften der welfischen Gefolgschaft zuzuordnen sein. Ein Altbesitz des „Hochstifts“ ist in Mittelneufnach und dem Neufnachtal nicht nachweisbar.

Das Siedlungsbild von Mittelneufnach lässt die Vermutung zu, dass es sich um eine Doppelsiedlung, vielleicht ausgehend von zwei oder mehr Rodungshöfen (Maierhöfe), handelt. Wir haben eine Doppelung bei den Mühlen und die namentliche Trennung in Weiler und Dorf. Die Doppelung der Mühlen dürfte kein Kapazitätsproblem gewesen sein, sondern sich eher in der Ausgangslage mit zwei Maierhöfen begründen. Einer dieser Maierhöfe wurde von dem hochstiftischen Ministerialen Ulrich von Bocksberg und seiner Frau Willibirg zusammen mit einer Mühle 1318 an das Heilig Geist Spital verkauft.

Anfang des 14. Jahrhunderts, als der Ort in die Geschichte eintritt, waren mehrere schwäbische Adelsgeschlechter im Besitz von Gütern in Mittelneufnach. Die in der Zeit von 1309 bis 1410 bekannten Grundherren zu Mittelneufnach, die Herren von Schönegg, von Hohenegg, von Bocksberg, von Knöringen gehörten zu weit verzweigten, reichen „Ministerialen-Familien“ aus dem Umfeld des Augsburger Bischofs, des Hochstifts bzw. der Reichsstadt Augsburg.

Um die Mitte des 14. Jahrhunderts stellt man einen wirtschaftlichen Niedergang in den Staudenorten fest. Es wird um 1352 z. B. von Vernachlässigungen der Güter in Münster berichtet und es erfolgten offensichtlich viele Eigentumswechsel. Aus dieser Zeit ist auch die erste bekannte Mittelneufnacher Urkunde anno 1309. Weitere Urkunden über Eigentumswechsel/Stiftungen sind die Basis für die Informationen über Mittelneufnach in dieser Zeit bis zur Zusammenführung der Ortsrechte, Kirchensatz, Gerichtsbarkeit und der weitgehenden Grundbesitzrechte beim Heilig Geist Spital im Jahre 1410, bzw. 1417 nach Übertragung des Zehentrechtes durch Anna von Steinbach.

In Mittelneufnach stand das Amtshaus für die Ausübung der niederen Gerichtsbarkeit, für die Verwaltung der Grundherrschaften des Heilig Geist Spitals und der Zehent-Stadel. Die Zuständigkeit umfasste die Besitzungen Mittelneufnach, Grimoldsried, Kelchsried, Schweinbachhof, Blessnauer Hof, Köpfinger und die halbe Ortschaft von Scherstetten, zwei Höfe in Reichertshofen und den Schweizerhof bei Langenneufnach. Das Heilig Geist Spital bestellte geeignete Personen aus ihrem Umfeld mit der Wahrnehmung dieser Aufgaben als Spitalpfleger/Spitalmeister. Ab 1542 wurde für diese Aufgabe ein Obervogt ernannt bzw. beauftragt.

Wappen von Mittelneufnach

Wappenbeschreibung
Mittig gespalten in Rot und Silber, links ein goldenes Radkreuz, rechts ein roter Steinbockkopf.

Wappengeschichte
Das Radkreuz im Gemeindewappen erinnert an die den Ort prägende Grundherrschaft des Heilig-Geist-Spitals zu Augsburg, das in seinem Wappen ebenfalls ein solches Radkreuz führt.

Seit 1410 hatte das Spital die Ortsherrschaft inne und war bis ins 19. Jahrhundert im Gemeindegebiet ausschließlich begütert. Der Kopf des Steinbocks weist als selbstredendes Symbol auf die Herrn von Bocksberg bzw. den östlich der Neufnach gelegenen Böcklesberg, auf dem eine Burg gestanden sein soll, hin.

Die Farben Rot und Silber sind die Farben des Domkapitels Augsburg, mit dem die Siedlungsgeschichte in Verbindung gebracht wird.

Wappendaten
Das Wappen wird seit 1967 geführt. Rechtsgrundlage bildet ein Gemeinderatsbeschluss und die Zustimmung des Staatsministerium des Inneren vom 21. April 1967

Die Ursprünge von Reichertshofen sind in einer Rodung, wohl im  Auftrag von  welfischen Grundherren mit Namen „Rich-hart“ zu sehen, die im 8. Jahrhundert gewesen sein könnte.*

Der Name >Reicherts – hofen< lässt annehmen, dass die Besiedelung territorial in das Gebiet der „Neufnacher“ zwischen Langenneufnach und Mittelneufnach erfolgt ist, bei seiner Gründung schon einen verschiedenen Grundherren hatte, eben den Herrn mit Namen „Rich-hart“.

Die welfischen Grundherren lassen sich von der Mitte des 11. bis zur Mitte des 13. Jahrhundert nachweisen.

Im Jahr 1316 erscheint Reichertshofen in der Auflistung der Besitztümer der Burg Seifriedsberg.

„Die Herrschaft verfügte im Ort zu Beginn des 14. Jahrhunderts über den Kirchensatz der St. Nikolauskirche und über die Kirchenvogtei, daneben hatte die Herrschaft noch das Dorfgericht inne und bezog Getreidegülten aus zwei Gütern und verschieden Geldzinse.“(*S.304)

Die weiteren Grundherren entstehen

Der Dom zu Augsburg mit einem Anwesen
Im Jahr 1342, stiftete der Domherr Friedrich von Reicha(e)rtshofen mit dem Verkauf eines Anwesens einen Jahrtag an der Domkirche. Der Domherr ist als Nachfahre der welfischen Mannen von Reichertshofen anzusehen.

Das Stift St. Moritz mit einem Anwesen
Im Jahre 1443 hatte ein von der Rodung her freier Bauer seinen Hof an das Stift Sankt Moritz in Augsburg verkauft.

Im Feuerstattgulden Register von 1492 sind auch noch drei Besitztümer des Spitals zum Heiligen Geist in Augsburg aufgeführt.

Ab 1534 erwirbt die Familie Fugger aus Mickhausen Höfe in Reichertshofen und steht damit in der direkten Konkurrenz zu den jeweiligen Besitzern von Seifriedsberg.

Bestand im Jahr 1750 – in der Beschreibung von Kolleffel

„Ein Dorf von 22 Feuerstätten, nebst einer Braystatt, und einer Mahlmühle von 3 Gängen davon gehören der Herrschaft Seyfriedsberg 10 nebst der Braystatt, dem Graff Fugger von Mickhausen 10 und dem Hospital zum Heiligen Geist in Augsburg 2.“ (* S.438)

Mit der juristischen Bedeutung, dass die Hohe Gerichtsbarkeit von Seifriedsberg aus geführt wurde, die niedere Gerichtsbarkeit aber von den jeweiligen Grundbesitzern ausgeübt wurde. Wiederum Seifriedsberg und Fugger Mickhausen.

Seifriedsberg (im Besitz von Oettingen-Wallerstein) nach k. k. österreichischen Patenten

Fugger Mickhausen  nach dem „gemeinen Recht“ (* n.S.540)

1805 im Frieden von Pressburg wurde die Marktgrafschaft Burgau und damit auch Seifriedsberg aus  dem Besitz von Österreich in das Königreich Bayern integriert. In der Folge kam es zu einer Rechtsvereinheitlichung.

Bis zum Jahr 1835 hat sich die Situation der Gebäude kaum verändert.**

Erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts bis zum Jahr 1919 hat sich die Anzahl der Gebäude fast verdoppelt, dabei wurde fast die Hälfte der ehedem vorhandenen Gebäude durch Neubauten ersetzt. Deutlich ist der Beginn der Bebauung in der Rufsiedlung.  ***

Bis 1957 ist die wesentliche Neubautätigkeit in der Rufsiedlung. ****

In der Folgezeit entstanden die Baugebiete an der Blumenstraße, dem Wiesenweg und der Kreuzbergstraße. Über 30 neue Wohngebäude wurden errichtet. *****

 Damit hat sich die Wandlung des Ortes von 22 landwirtschaftlichen Höfen auf etwa 90 bestehende Wohngebäudeeinheiten verändert von denen nur noch wenige eine Vollerwerbslandwirtschaft betreiben.

  • (* Quelle : Historischer Atlas von Bayern, Teil Schwaben, Reihe I, Heft 15, Schwabmünchen, Hans Bauer, München 1994)
  • (**  Quelle : Katasterplan von 1835 von Reichertshofen – Architekturbüro Arnold)
  • (*** Quelle: Katasterplan von 1919 von Reichertshofen – Architekturbüro Arnold)
  • (****  Quelle : Katasterplan von 1957 von Reichertshofen – Architekturbüro Arnold)
  • (***** Quelle : Katasterplan von 2009 von Reichertshofen – Architekturbüro Arnold)

Sankt Nikolaus in Reichertshofen

Die Reichertshofer Pfarrkirche St. Nikolaus wurde in ihrem Kern in gotischer Zeit unter der Herrschaft von Seifriedsberg errichtet. Erstmals wird im Jahre 1382  als Pfarrer Lorenz Kulmann erwähnt.

Im 18. Jahrhundert wurde das Kircheninnere neu gestaltet. Um 1710 Einbau der prächtig bemalten barocken Kassettendecke, der einzigen im weiten Umkreis.

Die Kanzel und das Kirchengestühl sind etwa zur gleichen Zeit entstanden.  ******

Von dem Schreinermeister und Künstler Benedikt Schuebauer wurden die drei Altäre geschaffen. Um 1763 der Hochaltar, in der zentralen Nische eine Mariendarstellung auf der Mondsichel seitlich davon die Figuren des Hl.  Nikolaus und Hl. Urban. In den späteren Jahren entstanden die beiden Seitenaltäre des Hl. Sebastian und Hl. Wendelin.

  • (****** Quelle: St. Nikolaus Reichertshofen, Maria Rotter, 2007)